Die Plausibilitätsprüfung ist die Pflicht von Vermittlern und Beratern, Informationen nicht ungeprüft weiterzugeben, sondern auf Schlüssigkeit und erkennbare Widersprüche zu prüfen. Die Rechtsprechung hat sie vor allem für Anlagevermittler und Anlageberater entwickelt. Für Versicherungsmakler folgt eine vergleichbare Pflicht aus ihrer Stellung als Sachwalter des Kunden.
Was müssen Anlagevermittler und Berater prüfen?
Nach der Rechtsprechung des BGH müssen sie ein Anlageprodukt mit kritischem Sachverstand auf seine wirtschaftliche Tragfähigkeit und die Plausibilität des Konzepts prüfen. Ein Prospekt darf nicht einfach weitergereicht werden, wenn sich Fehler oder Ungereimtheiten aufdrängen. Kann der Vermittler die Prüfung nicht leisten, muss er den Kunden darauf hinweisen.
Was gilt für Versicherungsmakler?
Der Makler muss die Produkte, die er empfiehlt, auf ihre Eignung für den Kunden prüfen, also Leistungsumfang, Ausschlüsse und Bedingungen. Er darf sich auf die Angaben des Versicherers grundsätzlich verlassen, muss aber erkennbare Lücken oder Widersprüche ansprechen. Gleiches gilt für Angaben des Kunden: Fallen Widersprüche auf, etwa zwischen den Gesundheitsangaben im Antrag und dem, was der Kunde im Gespräch erzählt hat, muss der Makler nachfragen. Mehr zur Rolle unter Versicherungsmakler.
Ein Beispiel: Ein Kunde erwähnt im Beratungsgespräch eine laufende Physiotherapie wegen Rückenschmerzen. Im Antrag auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung wird die Gesundheitsfrage zu Rückenbeschwerden trotzdem verneint. Tritt der Versicherer später zurück, kann der Makler haften, wenn er den Widerspruch nicht angesprochen hat.
Wo liegen die Grenzen?
Verlangt wird keine Tiefenprüfung wie durch einen Wirtschaftsprüfer oder einen Mediziner. Maßstab ist, was ein sorgfältiger Vermittler unter den Umständen erkennen konnte und was ihm zumutbar war. Komplexe Produkte und hohe Anlagebeträge erhöhen die Anforderungen.
Welche Folgen hat eine unterlassene Prüfung?
Erkennbare Fehler, die bei einer Plausibilitätsprüfung aufgefallen wären, begründen eine Pflichtverletzung. Der Vermittler muss den Kunden dann so stellen, als hätte er das Produkt nicht erworben oder die richtige Versicherung abgeschlossen.
Was sollten Vermittler beachten?
Produktprüfungen und Rückfragen dokumentieren, erkennbare Risiken offen ansprechen und auffällige Kundenangaben hinterfragen. Mehr unter Beratungs- und Dokumentationspflicht und Anlageberatung und Anlagevermittlung.