Abmahnung Gründe im Vertriebsrecht

Zuletzt bearbeitet am:

21. Februar 2026

Eine Abmahnung im Vertriebsrecht ist für Handelsvertreter, Vertragshändler oder Vertriebsmitarbeiter ein ernstzunehmendes Signal. Sie dient regelmäßig als Vorstufe zu einer Kündigung und soll ein vermeintliches Fehlverhalten rügen sowie für die Zukunft abstellen.

Im Vertriebsrecht spielen Abmahnungen insbesondere im Zusammenhang mit Handelsvertreterverträgen, Vertragshändlerverträgen und sonstigen Vertriebssystemen eine zentrale Rolle.

Was ist eine Abmahnung im Vertriebsrecht

Eine Abmahnung ist die formelle Beanstandung eines konkreten Vertragsverstoßes. Der Unternehmer fordert den Vertriebspartner auf, das gerügte Verhalten künftig zu unterlassen oder vertragsgemäß zu handeln.

Rechtlich relevant ist sie insbesondere im Kontext des Handelsvertreterrechts nach dem Handelsgesetzbuch. Grundlage ist häufig das Vertragsverhältnis gemäß § 84 HGB.

Typische Abmahnung Gründe im Vertriebsrecht

Im Vertriebsrecht treten bestimmte Konfliktfelder besonders häufig auf. Zu den klassischen Abmahnungsgründen zählen:

Wettbewerbsverstöße

Handelsvertreter unterliegen während der Vertragslaufzeit einem Wettbewerbsverbot. Tätigkeiten für Konkurrenzunternehmen oder die Vermittlung konkurrierender Produkte können eine Abmahnung rechtfertigen.

Verstoß gegen Berichtspflichten

Handelsvertreter sind verpflichtet, den Unternehmer über Geschäftsanbahnungen und Abschlüsse zu informieren. Unterlassene oder verspätete Berichte werden häufig abgemahnt.

Pflichtverletzungen bei Kundenschutz und Gebietsschutz

Verstöße gegen vertraglich geregelte Gebietsabgrenzungen oder eigenmächtige Kundenansprache außerhalb des zugewiesenen Bezirks führen regelmäßig zu Konflikten.

Schlechtleistung oder Nichterfüllung von Umsatzzielen

Werden vereinbarte Mindestumsätze dauerhaft nicht erreicht oder vertragliche Leistungsanforderungen missachtet, greifen Unternehmer häufig zur Abmahnung.

Rufschädigendes Verhalten

Öffentliche Kritik am Unternehmen, illoyales Verhalten oder die Weitergabe interner Informationen können als schwerwiegende Vertragsverletzungen gewertet werden.

Verstoß gegen Weisungen

Im Rahmen zulässiger unternehmerischer Weisungsrechte kann eine Nichtbefolgung ebenfalls abgemahnt werden, sofern die Weisung rechtlich zulässig war.

Besonderheiten bei Handelsvertretern

Die Rechte und Pflichten von Handelsvertretern sind im Handelsgesetzbuch geregelt. Maßgeblich sind insbesondere die Vorschriften der §§ 84 ff. HGB.

Rechtsprechungsleitlinien ergeben sich unter anderem aus Entscheidungen des Bundesgerichtshof, der die Anforderungen an eine wirksame Abmahnung konkretisiert hat.

Eine wirksame Abmahnung muss das gerügte Verhalten konkret benennen, eine Vertragsverletzung nachvollziehbar darstellen und für den Wiederholungsfall arbeits oder vertragsrechtliche Konsequenzen in Aussicht stellen.

Abmahnung als Vorbereitung einer Kündigung

Im Vertriebsrecht ist die Abmahnung häufig Voraussetzung für eine ordentliche oder außerordentliche Kündigung. Insbesondere bei verhaltensbedingten Kündigungen dient sie dazu, dem Vertriebspartner Gelegenheit zur Besserung zu geben.

Fehlt eine erforderliche Abmahnung, kann eine spätere Kündigung unwirksam sein.

Verteidigungsmöglichkeiten gegen eine Abmahnung

Nicht jede Abmahnung ist berechtigt. Häufig sind Vorwürfe unzureichend konkretisiert oder rechtlich nicht haltbar.

Betroffene Vertriebspartner sollten prüfen lassen:

Ist der vorgeworfene Sachverhalt zutreffend
Liegt tatsächlich eine vertragliche Pflichtverletzung vor
War eine Abmahnung überhaupt erforderlich
Besteht ein strategischer Zusammenhang mit einer geplanten Vertragsbeendigung

Je nach Situation kann eine Gegendarstellung, eine anwaltliche Zurückweisung oder eine strategische Vorbereitung auf eine mögliche Kündigung sinnvoll sein.

Fazit

Abmahnung Gründe im Vertriebsrecht sind vielfältig und reichen von Wettbewerbsverstößen über Berichtspflichtverletzungen bis hin zu Loyalitätsverstößen. Da eine Abmahnung häufig den ersten Schritt in Richtung Vertragsbeendigung darstellt, sollte sie niemals unterschätzt werden.

Eine frühzeitige rechtliche Prüfung erhöht die Chancen, wirtschaftliche Nachteile zu vermeiden und die eigene Position im Vertriebsverhältnis zu sichern.

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