Compliance bedeutet die Einhaltung von Gesetzen, behördlichen Vorgaben und internen Regeln in einem Unternehmen. Gemeint ist zugleich die Organisation, mit der ein Unternehmen sicherstellt, dass diese Regeln bekannt sind und befolgt werden. Für Versicherer, Vermittler und Vertriebsorganisationen ist Compliance wegen der dichten Regulierung besonders wichtig.
Ist Compliance gesetzlich vorgeschrieben?
Eine allgemeine Pflicht, ein bestimmtes Compliance-System einzurichten, gibt es nicht. Geschäftsführer und Vorstände müssen aber aufgrund ihrer Sorgfaltspflicht (§ 43 GmbHG, § 93 AktG) dafür sorgen, dass im Unternehmen keine Rechtsverstöße begangen werden. Versicherungsunternehmen müssen nach § 29 VAG zusätzlich eine eigene Compliance-Funktion einrichten. Unternehmen ab 50 Beschäftigten sind nach dem Hinweisgeberschutzgesetz verpflichtet, eine interne Meldestelle zu betreiben.
Welche Themen umfasst Compliance im Versicherungsvertrieb?
Typisch sind die Vorgaben aus IDD, VVG und Gewerbeordnung zu Beratung, Dokumentation und Weiterbildung, der Datenschutz nach der DSGVO, das Wettbewerbsrecht in Werbung und Kundenansprache, die Geldwäscheprävention bei Lebensversicherungen, Interessenkonflikte und Vergütung sowie seit Kurzem der Einsatz von künstlicher Intelligenz nach dem AI Act.
Was gehört zu einem Compliance-Management-System?
Am Anfang steht eine Risikoanalyse: Welche Rechtsverstöße sind im eigenen Geschäft realistisch? Darauf bauen interne Richtlinien, Schulungen, Kontrollen, ein Meldeweg für Hinweise und eine Dokumentation auf. Umfang und Aufwand richten sich nach Größe und Risiko des Unternehmens. Ein Maklerbüro mit fünf Mitarbeitenden braucht kein Handbuch mit 200 Seiten, wohl aber klare Abläufe für Beratung, Datenschutz und Werbung.
Ein Beispiel: Ein Vertrieb mit mehreren hundert Handelsvertretern stellt fest, dass einzelne Vertreter Leads aus zugekauften Adresslisten anrufen. Ohne Richtlinie, Schulung und Kontrolle drohen Abmahnungen und Bußgelder wegen unerlaubter Telefonwerbung, und die Geschäftsleitung muss sich fragen lassen, ob sie ihre Aufsichtspflicht erfüllt hat.
Was droht bei mangelhafter Compliance?
Neben Bußgeldern gegen das Unternehmen kommt eine persönliche Haftung der Geschäftsleitung in Betracht. Nach § 130 OWiG handelt ordnungswidrig, wer erforderliche Aufsichtsmaßnahmen unterlässt. Hinzu kommen zivilrechtliche Schadensersatzansprüche und Reputationsschäden.
Wie unterscheidet sich Compliance von Corporate Governance?
Corporate Governance beschreibt den Ordnungsrahmen der Unternehmensführung insgesamt, also auch Aufsicht, Vergütung und Transparenz. Compliance ist ein Teil davon und konzentriert sich auf die Einhaltung von Regeln. Wer Unterstützung beim Aufbau von Strukturen sucht, findet Informationen auf unserer Seite für Vermittler, Pools und Vertriebe.