Die Gliedertaxe ist ein Begriff aus der privaten Unfallversicherung. Sie legt fest, welcher Invaliditätsgrad angesetzt wird, wenn durch einen Unfall bestimmte Körperteile oder Sinnesorgane dauerhaft beeinträchtigt oder verloren gehen.
Sie ist damit eine zentrale Grundlage für die Berechnung der Versicherungsleistung nach einem Unfall.
Gliedertaxe einfach erklärt
Verliert eine versicherte Person durch einen Unfall dauerhaft die Funktion eines Arms, Beins, Auges oder Fingers, bewertet die Unfallversicherung dies nach festen Prozentsätzen. Diese Prozentsätze stehen in den Versicherungsbedingungen und werden als Gliedertaxe bezeichnet.
Je höher der Invaliditätsgrad, desto höher fällt in der Regel die Auszahlung aus.
Beispiel
Enthält der Vertrag folgende Gliedertaxe:
- Arm: 70 %
- Hand: 55 %
- Daumen: 20 %
- Auge: 50 %
und verliert die versicherte Person durch einen Unfall dauerhaft die Funktionsfähigkeit einer Hand, wird häufig ein Invaliditätsgrad von 55 % zugrunde gelegt.
Die konkrete Auszahlung hängt dann von der vereinbarten Versicherungssumme und möglichen Progressionen ab.
Was wird bewertet?
Typischerweise regelt die Gliedertaxe Werte für:
- Arm
- Hand
- Daumen
- Finger
- Bein
- Fuß
- Zehen
- Auge
- Gehör
- Geruchssinn
- Stimme
Die genauen Prozentsätze unterscheiden sich je nach Tarif und Versicherungsbedingungen.
Teilweise Beeinträchtigung
Nicht immer liegt ein vollständiger Verlust vor. Bei einer teilweisen dauerhaften Funktionseinschränkung wird meist nur ein entsprechender Teil des Gliedertaxewerts angesetzt.
Beispiel:
Hand mit 55 % bewertet, Funktion nur zur Hälfte verloren → möglicher Invaliditätsgrad: 27,5 %
Typische Streitfragen
- Liegt ein vollständiger oder nur partieller Funktionsverlust vor?
- Welche Bewegungseinschränkung besteht tatsächlich?
- Ist die Beeinträchtigung dauerhaft?
- Welche Gliedertaxe gilt laut Vertrag?
- Liegen zusätzliche unfallbedingte Beschwerden vor?
- Muss ein Gutachten eingeholt werden?
Warum ist die Gliedertaxe wichtig?
Die Gliedertaxe entscheidet oft direkt über die Höhe der Auszahlung. Bereits wenige Prozentpunkte können erhebliche finanzielle Unterschiede bedeuten.
Was Betroffene tun sollten
Bei Streit über die Gliedertaxe:
- Versicherungsbedingungen prüfen
- ärztliche Befunde sichern
- Funktionseinschränkungen dokumentieren
- Gutachten kritisch prüfen
- Fristen beachten
- rechtliche Prüfung erwägen
Gliedertaxe in der Unfallversicherung
Die Gliedertaxe bestimmt in der privaten Unfallversicherung, welcher Invaliditätsgrad bei dauerhaften Unfallfolgen angesetzt wird. Sie ist damit einer der wichtigsten Faktoren für die Höhe der Versicherungsleistung und häufig Gegenstand von Auseinandersetzungen mit dem Versicherer.