Das HGB teilt Kapitalgesellschaften nach Bilanzsumme, Umsatz und Mitarbeiterzahl in vier Größenklassen ein: Kleinstkapitalgesellschaften, kleine, mittelgroße und große Kapitalgesellschaften. Geregelt ist das in den §§ 267 und 267a HGB. Von der Größenklasse hängt ab, wie umfangreich der Jahresabschluss sein muss, ob er geprüft werden muss und was offengelegt wird.
Welche Schwellenwerte gelten?
Die Schwellenwerte wurden 2024 deutlich angehoben. Seitdem gelten:
- Kleinstkapitalgesellschaft: Bilanzsumme bis 450.000 Euro, Umsatzerlöse bis 900.000 Euro, bis 10 Arbeitnehmer
- Kleine Kapitalgesellschaft: Bilanzsumme bis 7,5 Mio. Euro, Umsatzerlöse bis 15 Mio. Euro, bis 50 Arbeitnehmer
- Mittelgroße Kapitalgesellschaft: Bilanzsumme bis 25 Mio. Euro, Umsatzerlöse bis 50 Mio. Euro, bis 250 Arbeitnehmer
- Große Kapitalgesellschaft: Überschreitung von mindestens zwei Grenzen der mittelgroßen Gesellschaft
Die Arbeitnehmerzahl wird als Jahresdurchschnitt berechnet. Kapitalmarktorientierte Gesellschaften gelten unabhängig von ihrer Größe immer als groß.
Wann wechselt ein Unternehmen die Größenklasse?
Maßgeblich ist, ob mindestens zwei der drei Merkmale über- oder unterschritten werden. Die Rechtsfolgen treten aber erst ein, wenn das an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen der Fall ist (§ 267 Abs. 4 HGB). Ein einmaliger Ausreißer ändert also nichts. Bei Neugründungen und Umwandlungen kommt es bereits auf den ersten Stichtag an.
Ein Beispiel: Ein Vertriebsunternehmen hat zwei Jahre in Folge eine Bilanzsumme von 8 Mio. Euro und 60 Mitarbeitende, aber nur 12 Mio. Euro Umsatz. Weil zwei Merkmale an zwei Stichtagen überschritten sind, ist es ab dem zweiten Jahr mittelgroß und damit prüfungspflichtig.
Was folgt aus der Größenklasse?
Kleinstkapitalgesellschaften dürfen eine verkürzte Bilanz aufstellen, auf den Anhang unter Voraussetzungen verzichten und ihre Bilanz statt sie zu veröffentlichen nur hinterlegen. Kleine Gesellschaften müssen keinen Lagebericht aufstellen und nur die Bilanz mit Anhang offenlegen. Mittelgroße und große Gesellschaften müssen einen Lagebericht erstellen und ihren Abschluss durch einen Abschlussprüfer prüfen lassen (§ 316 HGB). Große Gesellschaften haben die umfangreichsten Angabe- und Offenlegungspflichten.
Warum ist die richtige Einordnung wichtig?
Wer einen prüfungspflichtigen Abschluss nicht prüfen lässt, hat keinen wirksam festgestellten Jahresabschluss. Wer Offenlegungspflichten verletzt, riskiert ein Ordnungsgeldverfahren (Zwangsgeld und Ordnungsgeld nach dem HGB). Geschäftsführer sollten die Einordnung deshalb jedes Jahr prüfen. Verwandte Themen: Bewertungsgrundsätze im HGB.