Product Oversight and Governance (POG)

Zuletzt bearbeitet am:

3. März 2026

Product Oversight and Governance (POG) bezeichnet die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an die Produktfreigabe, -überwachung und -steuerung im Versicherungsvertrieb. Die Vorgaben beruhen auf der Insurance Distribution Directive (IDD) und den hierzu erlassenen europäischen Delegierten Verordnungen.

Ziel von POG ist es, sicherzustellen, dass Versicherungsprodukte nur für klar definierte Zielmärkte entwickelt und vertrieben werden und den Interessen der Kunden entsprechen.

Hintergrund und Zweck

POG wurde eingeführt, um Fehlentwicklungen im Vertrieb – etwa den massenhaften Verkauf ungeeigneter Produkte – zu verhindern.

Kernidee ist das sogenannte Zielmarktprinzip:
Ein Produkt darf nur dann vertrieben werden, wenn es für die Bedürfnisse, Merkmale und Ziele einer bestimmten Kundengruppe geeignet ist.

POG stärkt damit den präventiven Verbraucherschutz und verlagert Verantwortung bereits in die Produktentwicklungsphase.

Pflichten der Hersteller (Versicherer)

Versicherer als Produktgeber müssen:

  • ein formelles Produktfreigabeverfahren einrichten
  • für jedes Produkt einen Zielmarkt definieren
  • negative Zielmärkte festlegen (für wen das Produkt ungeeignet ist)
  • Risiken analysieren
  • regelmäßig überprüfen, ob das Produkt weiterhin marktgerecht ist
  • den Vertrieb mit relevanten Produktinformationen versorgen

Diese Prozesse müssen dokumentiert und überprüfbar sein.

Pflichten der Vermittler (Vertriebsunternehmen)

Auch Vermittler unterliegen POG-Vorgaben. Sie müssen:

  • die Zielmarktdefinition des Herstellers beachten
  • sicherstellen, dass sie Produkte nur an geeignete Kunden vertreiben
  • Rückmeldungen an den Hersteller geben (z. B. bei Fehlentwicklungen oder Beschwerden)
  • ihre Vertriebsstrategie mit dem Zielmarkt abstimmen

POG ergänzt damit die individuelle Beratungs- und Bedarfsermittlungspflicht, ersetzt sie aber nicht.

Zusammenhang mit der Beratungspflicht

Während die klassische Beratungspflicht auf den einzelnen Kunden abstellt, wirkt POG auf einer vorgelagerten Ebene:

  • POG prüft, ob ein Produkt grundsätzlich für eine bestimmte Kundengruppe geeignet ist.
  • Beratungspflicht prüft, ob das Produkt für den konkreten Kunden passt.

Beides greift ineinander.

Bedeutung in der Praxis

POG ist heute fester Bestandteil interner Compliance- und Governance-Strukturen bei Versicherern und größeren Vertriebsorganisationen.

Typische Prüfungsfelder sind:

  • Dokumentation der Zielmärkte
  • Vertriebsfreigaben
  • Schulung der Vermittler
  • Monitoring von Stornoquoten und Beschwerden

Verstöße können aufsichtsrechtliche Maßnahmen, Bußgelder oder haftungsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

POG greift weit vor Veröffentlichung neuer Produkte

Product Oversight and Governance (POG) verlagert Verantwortung für geeignete Versicherungsprodukte bereits in die Entwicklungs- und Vertriebssteuerungsphase.

Es handelt sich um ein zentrales Instrument des europäischen Versicherungsaufsichtsrechts, das Transparenz, Kundenschutz und Marktstabilität stärken soll.