Ein Unfall liegt nach § 178 Abs. 2 VVG vor, wenn die versicherte Person durch ein plötzlich von außen auf ihren Körper wirkendes Ereignis unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet. Nur wenn diese Definition erfüllt ist, kommt eine Leistung der privaten Unfallversicherung überhaupt in Betracht. Die Bedingungen können den Unfallbegriff erweitern, aber nicht zum Nachteil des Versicherten einschränken.
Welche Merkmale muss ein Unfall erfüllen?
Plötzlich bedeutet, dass das Ereignis in einem kurzen Zeitraum eintritt und für die versicherte Person unerwartet ist. Von außen bedeutet, dass eine äußere Einwirkung auf den Körper stattfindet, etwa ein Sturz, ein Stoß oder ein Aufprall. Unfreiwillig bedeutet, dass die Gesundheitsschädigung nicht gewollt war. Die Unfreiwilligkeit wird nach § 178 Abs. 2 Satz 2 VVG bis zum Beweis des Gegenteils vermutet.
Welche Erweiterungen sind üblich?
Nach den Musterbedingungen gilt auch als Unfall, wenn durch eine erhöhte Kraftanstrengung an Gliedmaßen oder Wirbelsäule ein Gelenk verrenkt wird oder Muskeln, Sehnen, Bänder oder Kapseln gezerrt oder zerrissen werden. Moderne Tarife schließen teilweise auch Verletzungen durch Eigenbewegungen ein, Vergiftungen durch Gase und Dämpfe, Erfrierungen oder Zeckenbisse.
Welche Ausschlüsse sind typisch?
Unfälle durch Geistes- oder Bewusstseinsstörungen, etwa durch Alkohol, Schlaganfälle oder epileptische Anfälle, Schäden an Bandscheiben, wenn der Unfall nicht die überwiegende Ursache ist, Infektionen und krankhafte Störungen infolge psychischer Reaktionen. Gute Tarife schränken diese Ausschlüsse ein. Die Ausschlüsse muss der Versicherer beweisen.
Ein Beispiel: Ein Mann knickt beim Joggen ohne äußeren Anlass um und reißt sich ein Band im Sprunggelenk. Nach dem gesetzlichen Unfallbegriff fehlt die Einwirkung von außen. Viele Tarife erfassen den Fall trotzdem über die Erweiterung für Eigenbewegungen oder erhöhte Kraftanstrengung. Ob der Versicherer leisten muss, entscheiden deshalb die konkreten Bedingungen.
Worüber wird am häufigsten gestritten?
Über die Frage, ob ein äußeres Ereignis vorlag oder nur eine Eigenbewegung, ob der Schaden durch den Unfall oder durch Verschleiß entstanden ist und ob ein Ausschluss greift, besonders beim Bandscheibenvorfall. Den Unfall selbst und die Gesundheitsschädigung muss der Versicherte beweisen.
Was sollten Versicherte nach einem Unfall tun?
Den Hergang zeitnah schriftlich festhalten, Zeugen benennen, sofort einen Arzt aufsuchen und den Unfall beim Versicherer melden. Die Invaliditätsfrist sollte von Anfang an im Blick sein. Weitere Informationen auf unserer Seite zur Unfallversicherung.